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Tour-Etappe: Windhuk-Swakopmund

Swakopmund,den 9.Oktober

Radfahrer! - Kommst Du nach Swakopmund, spar Dir eine Menge Koerner fuer die letzten 20 km. Ansonsten laeufst Du Gefahr, dass Dich der Wind auffrisst! Aber der Reihe nach: Nun wird es also ernst. Ich habe beschlossen, die Cardboard-Box um 6:30 zu verlassen und in noerdl. Richtung nach Okahandja zu fahren. Die Strecke war extrem gut zu "beradeln" und ich erreichte Okahandja nach knapp ueber 2 Stunden (57km), dank Rueckenwind und abschuessiger Strecke. Voller Enthusiasmus ueberlegte ich mir Richtung Karibib weiterzufahren. Wenn es bisher so gut lief, wuerden mich meine Beine sicherlich noch ein paar Kilometer weitertragen.

Doch dies war leider ein Irrglaube. Afrika darf man eben nicht unterschaetzen. Da die Strecke von nun an sehr huegelig wurde und die Hitze in 1700m Hoehe ihr uebriges dazu tat, wurde mir sehr schnell klar, dass ich heute maximal bis Wilhelmstal kommen wuerde (in der Mitte zwischen Okahandja und Karibib), zumal ich in der Mittagszeit eine dreistuendige Pause einlegen musste. Ueber 40 Grad liessen ein Weiterfahren einfach nicht zu. Waehrend der Mittagspause versuchte ich, ein wenig zu entspannen und einige Aepfel, als auch original Pick'n Pay Coconut T-Biscuits zu essen. Ansonsten vergnuegte ich mich beim Fuettern von Eidechsen und freute mich, als ein Namibianer extra anhielt, um sich zu erkundigen, ob alles in Ordnung sei oder ob er mir helfen koenne. Gegen 14:30 machte ich mich wieder auf den Weg, um die restlichen 35km nach Wilhelmstal zu radeln.

Die Streckencharakteristik aenderte sich leider nicht, so dass mir diese unzaehligen und nicht enden wollenden Wellen den letzten Nerv raubten. Um 16:30 erreichte ich dann ziemlich erschoepft Wilhelmstal, wo ich eigentlich vorhatte, auf einer in meiner Karte eingezeichneten Guest-Farm zu campieren. Leider wurde mir aber mitgeteilt, dass diese vor 2 Jahren geschlossen wurde. Da es in W-tal ausser der Farm nur noch einen ebenfalls geschlossenen "Take-away" gibt, entschloss ich mich, auf dessen Grundstueck zu schlafen. Da ich so kaputt war, hatte ich auch keinerlei Lust mehr, mein Zelt aufzubauen - regnen wuerde es eh nicht. Also, Isomatte und Schlafsack raus und schon verbrachte ich meine 1. Nacht unter afrikanischem Sternenhimmel. Ein Erlebnis, dass ich nur jedem empfehlen kann, wenn es auch anfangs etwas beaengstigend scheint, da man die Geraeusche der Nacht nicht kennt. Aber das war mir nach 1 Stunde auch egal und ich genoss die Nachtatmosphaere bis ich einschlief.

Am naechsten Morgen klingelte mein Wecker mich um 6:00 frueh aus den Daunen. Es war noch stockfinster. Doch ich hatte schon in Windhoek die Erfahrung gemacht, dass es hier sehr schnell hell wird, wenn erstmal die ersten Sonnenstrahlen zu sehen sind. Daher packte ich schnell meine Klamotten zusammen - das Zaehneputzen verschob ich auf den Abend - und los ging es nach Usakos. Nach 500m ging meinem Vorderreifen allerdings die Luft aus, - also, wieder runter mit den Klamotten, Flick- und Werkzeug raus und den Schaden beheben. Der Uebeltaeter war uebrigens ein Dorn vom Sanddornbusch, die man hier ueberall neben der Strasse findet. Daher sollte man sehr vorsichtig sein, wenn man mit dem Rad von der Strasse auf den Seitenstreifen abkommt. Zumal hier auch viele Scherben versteckt im Sand liegen. Nach einer halben Stund (keine gute Zeit fuer einen Boxenstopp) ging es dann weiter. Bis Karibib (52km) erwartete mich die vom Vortag bekannte Wellenpiste, bei der man bei jedem Huegel hofft, es sei der letzte, um dann doch vom Gegenteil ueberzeugt zu werden. Gluecklicherweise war es noch nicht so heiss und ich erreichte Karibib gegen 10 Uhr, wo ich an einer"Engen-Tankstell" Halt machte, um 2 lovely Cokes und eine Drywoers zu kaufen. Nebenbei lernte ich vom Tankwaechter noch 2 Worte in Owabo: "Whylelepo" [weilelepo] = Guten Tag und "Tata" = Auf Wiedersehen.

Voller Stolz machte ich mich dann auf die letzten 30km fuer heute und gruesste dabei jeden Schwarzen an der Strasse mit einem freundlichen "Whylelepo!", worauf mir ein ebenso freundliches "How are you?" entgegenet wurde. So ist das im Leben. In Usakos angekommen, fragte ich im "Bahnmeister-Gasthaus" (dem einzigen Hotel am Ort) nach einem Campingplatz. Leider wurde selbiger gerade frisch eingesaeht und so musste ich mit einem Doppelzimmer fuer mich und mein Fahrrad vorlieb nehmen (fuer den gleichen Preis = 20 N$). Frisch geduscht, setzte ich mich neben Andre (Betreiber des Hotels) auf die Veranda und wir erzaehlten bei 2 bis 3 Windhuk Lager ueber dies und das. Insgesamt hat mich die Uebernachtung 53 N$ gekostet - 1 Uebernachtung,div. Bier + Wiener Wuerstchen mit Reis und Pfeffersauce inclusive). Einfach unschlagbar und fuer Radfahrer waermstens zu empfehlen.

Am naechsten Morgen (Sonntag) verliess ich Usakos zur Koenigsetappe nach Swakopmund (145km). Die ersten 20km erwartete mich ein wirklich widerlicher, langezogener Anstieg, auf dem ich - trotz der fruehen Morgenstunden - geschwitzt habe, wie schon lange nicht mehr. Laut Karte sollte es eigentlich bergab gehen, schliesslich musste ich doch irgendwann mal dieses Hochplateau auf 1500m Hoehe verlassen. Ein Trugschluss, wie sich recht bald herausstellte. Im uebrigen habe ich die ganze Strecke ueber nicht das Gefuehl gehabt, bergab zu fahren, da die Landschaft von der Kueste ausgehend nur sehr langsam ansteigt. Nun gut, nach dem 1. Anstieg wurde es richtig wundervoll. Die Strecke war sehr gut zu befahren, die Landschaft wurde immer karger, aber deshalb nicht weniger eindrucksvoll und die Temperatur pendelte sich ueber den Tag hinweg bei sehr angenehmen 25 Grad ein.

70km vor Swakopmund umwehte mich dann zum ersten Mal die Seeluft. Ich spuerte es foermlich auf der Haut, wie sich das Salz festsetzte und wie sich meine Lungen zu oeffnen begannen. Es war wirklich ein unbeschreibliches Gefuehl und so konnte es bleiben, dann wuerde ich Swakop in Rekordzeit erreichen. Doch wie schon so oft, kam mal wieder alles ganz anders. Genau 20km vor Swakop - ich war gerade wieder einen dieser gemeinen Huegel heraufgefahren - erwischte mich ein Wind, wie ich ihn selten erlebt habe. Er kam in starken Boeen stetig von schraeg vorne - ganz egal, ob die Strasse einen Schlenker nach links oder rechts machte. Nicht genug, dass es unglaublich muehevoll war, gegen den Wind anzukaempfen, ich musste zudem auch hoellisch aufpassen, dass mir die Boeen nicht den Lenker verrissen. Mit den Kraeften und der Konzentration nun ziemlich schnell am Ende, begann ich einfach laut zu fluchen und dem Herrn da oben zu vesprechen, dass ich ihn die naechsten Tage mit meinem wunden A... nicht angucken wuerde. Es war mir einfach unbegreiflich, dass ich selbst, wenn es ca. 8% bergab ging, wie ein Wahnsinniger strampeln musste, um ueberhaupt voranzukommen.

Anscheinend wurden meine Flueche aber erhoert und ich wurde mit dem besten Backpacker, den ich je gesehen habe (Sorry, Cintsa-West) entschaedigt. Heilfroh erreichte ich gegen 15 Uhr "The alternative Space" - kurz "The Space". "The Space" wird von Sibylle, Frenius (und Soehnchen Rafael) gefuehrt. Frenius, eigentlich Architekt hat sich hier wirklich einen Traum verwirklicht. Das gesamt Gebaeude ist ein eiziges Kunstwerk und mit einem ganz anderen Lebensgefuehl, als es bei uns standard ist gestaltet. Es gibt kaum gerade Waende, alles ist offen gehalten und mit sehr , sehr viel Liebe zum Detail entworfen. Man kann es einfach nicht beschreiben, ich denke, selbst Fotos koennen nur Bruchstuecke erahnen lassen, von der Philosophie, die hinter diesem Platz steckt. Man muss es einfach selber erlebt haben. Ich fuehle mich hier super gluecklich und wie in einer grossen Familie aufgehoben. Ach ja, noch zur Hausordnung: No Dope und Nachtruhe um 22:00 - das gefaellt mir! Nebenbei organisieren Sibylle und Frenius noch eine Menge an Aktivitaeten in den Duenen, die eine Menge Spass machen.

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