Marokko per pedes
Eine Backpackertour
ohne genaues Ziel und Plan unternahm ich mit meinem besten Freund
Roland Ende Juli nach Marokko. Den Flug buchten wir 5 Tage vorher
in einem Last Minute Büro von Köln/Bonn nach Malaga für
DM 315,. Im Gepäck befanden sich knapp 13 Kilo Ausrüstung
auf dem Rücken (ohne Lebensmittel und Schlafsack). Das ist das
maximale Gewicht, was man meiner Meinung nach mitnehmen sollte, alles
andere ist Quälerei.

Wir kamen recht ausgeruht in Malaga Airport an und wollten den Zug
Richtung Torremolinos nehmen. Der Bahnhof war nur einige Hundertmeter
entfernt . Wir nahmen uns recht viel Zeit und tingelten von einem
Dorf zum anderen. Torremolinos war unsere erste Station und ist nett
zum herumlaufen oder um von den kleinen Cafes aus, die Leute auf den
Strassen zu beobachten. Allerdings zum übernachten viel zu touristisch
und zu teuer, um auf blauen Dunst eine übernachtung zu finden.
Dann fanden wir eine übernachtung in Fuengirola und darauf die
Nacht in Marbella. Von dort aus sind wir ins Landesinnere Richtung
Ronda gewandert. Die Strecke war wunderschön, doch zu Fuss machten
uns die steilen Serpentinen mit unseren Rucksäcken auf dem Rücken
ganz schön zu schaffen. Zusätzlich kam noch die Sonne, die
versuchte, unsere Gehirne zu einer Dörrpflaume werden zu lassen.
Kurz vor Einbruch
der Dunkelheit fanden wir ein winzig kleines Waldstück, wo wir
geschafft zusammenbrachen. Die Nacht wurde so kalt, wie es tagsüber
heiss war und wir hatten auf Schlafsäcke verzichtet. Die Rucksäcke
wogen mittlerweile um die 16 18 Kilo, da ein erhebliches Gewicht
an Lebensmitteln dazugekommen war. (Wasser, Wein, Gemüse, Fleisch,
schnell sind damit einige Kilos erreicht, wenn man nicht auf diesen
Luxus verzichten will. Das nächste Mal würde ich allerdings
unnötige Wäsche und viel Kleinkram zu Hause lassen).
Wir zogen uns also alles an, was wir hatten, und wurden so ca. ab
05.00 Uhr morgens von einem penetranten Mofafahrer geweckt, der scheinbar
aus Langeweile den Pass immer wieder hoch und runter fuhr. Das abends
so stille Plätzchen wurde ziemlich ungemütlich, und so brachen
wir auf und zogen weiter.
Von Marbella nahmen
wir den Bus weiter bis nach Algeciras wo wir uns den Luxus gönnten
in einer Pension zu übertnachten. Diese hatte im 6 oder 7 Stock
uns ein Zimmer mit Blick auf den Hafen von Algeciras gegeben. Die
Pensionen haben alle 4500 bis 5000 Pesetas für ein Doppelzimmer
gekostet und hatten zum größten Teil 2 Sterne.



Am Abend erfuhren wir dann, dass der Marokkanische König gestorben
ist und dass es zu Unruhen gekommen sei. Wir entschlossen uns dennoch
am nächsten Tag mit der Fähre nach Tanger überzusetzen.
Auf der Fähre lernten wir zwei Backpacker kennen, die per Anhalter
aus Deutschland gekommen waren und wir beschlossen uns zusammen in
Tanger eine Unterkunft zu suchen. Diese
sind selbst in der Saison einfach zu finden: man geht vom Hafen ein
wenig Richtung City und findet schnell eine Unterkunt.



Tanger machte
auf mich einen nicht besonders vertrauenserweckenden Eindruck. So
fuhren wir am nächsten Tag nach Tetouan, wo ich den schönen
Suk in der City empfehlen kann. Ansonsten ist es dort sehr ruhig,
nicht besonders interresant. Nach einer Pause und einer langen vergeblichen
Suche nach einem Bistro, Cafe oder ähnlichem fuhren wir weiter
mit dem Taxi Richtung Errif.



Von einem marokkanischen
Freund hatte ich den Tipp bekommen in die Region des Rif Gebirges
zu fahren. Das erste Dorf war Et Tleta de Oued Laou, was uns gut gefiel.
Wir nahmen uns dort ein kleines Haus zwischen den Einheimischen. Luxus
wie Küche oder Dusche waren nicht vorhanden. Wir fühlten
uns von Anfang an sauwohl. Wir hatten sofort Kontakt zu den Marokkanern,
besonders zu Hassan (genannt Rasterman, wegen seines Bob Marley T-Shirts)
und Norden seinem Cousin.



Die kleinen Kneipen
und Cafes sind gemütlich und günstig. Wir unternahmen von
Oued Laou aus lange Spaziergänge, Ausflüge zu den riesigen
Suks und den Plantagen im Rif Gebirge. Abends konnte man lange am
Strand liegen und den Fischerbooten und den Schmugglern zuschauen.
Millitär patrouliert am Strand regelmässig, Taschendiebstahl
oder Körperliche Gewalt ist mir in dieser Gegend nicht bekannt.
Man sollte allerdings immer auf der Hut sein.
Wir verlebten
eine ruhige Woche, mit vielen Diskussionen z.B. über den Tod
des Königs, trauernden Gesichtern und dem offiziellem Alkoholverbot
der Regierung. Und erlebten viele unvergessliche Stunden mit unseren
neuen Freunden.
Der Rückweg ist schneller und einfacher verlaufen. Wir nahmen
uns ein Taxi bis Ceuta, die Spanische Enklave und schipperten mit
der Fähre wieder nach Spanien/ Algeciras. Wir übernachteten
dort und fuhren am nächsten Morgen mit einem Bus wieder Richtung
Malaga und stiegen irgendwo im Niemandsland wieder aus.
Von dort aus ließen wir uns mit einem Taxi gute 40 Kilometer
ins Landesinnere bringen.Grund: wir hatten auf einer Karte einen größeren
See entdeckt und hatten uns in den Kopf gesetzt, dort eine Nacht am
See zu verbringen. Dies erwies sich anfangs als nicht so einfach,
da ein großer Teil Privatbesitz zu sein schien. Schließlich
quälten wir uns einen Abhang hinunter und wurden für unsere
Mühen reichlich belohnt. Ein fantastischer See mit so klarem
Wasser, dass man Fische noch in zwei Metern Tiefe sehen konnte.

Wir schlugen unser
Lager direkt am Ufer auf und legten uns unter hunderten von Geräuschen
der Wildness und einem sternenklarem Himmel schlafen. Mein Freund
Roland schlief schnell ein, und ich hörte noch eine ganze Weile
sehr gespannt den Geräuschen zu, die direkt um uns herum waren.
Immer wieder sprangen Fische in die Luft und jagten wohl Fliegen,
leuchtende Augen blintzelten im Dickicht, Mäuse und andere Nager
raschelten durchs Gebüsch. Es gibt nichts Schöneres als
dem nächtlichen Treiben der Tiere zu lauschen und sich auszumalen
was es für ein Tier sein könnte.
Am nächsten
Tag kraxelten wir den Hang wieder rauf und machten uns sofort per
Anhalter auf den Weg nach Malaga zu unsrerem Rückflug.
Dieses ist
der wohl kostengünstigste Weg in den Norden Marokkos. Allerdings
würde ich das nächste Mal auf die übernachtungen in
Spanien bis auf Algeciras verzichten. Dorthin kommt man sehr leicht
mit dem Zug nach Marbella, von dort aus mit dem Bus weiter direkt
nach Algeciras. Der Bus hält direkt am Hafen hält und dort
bekommt man auch eine Unterkunft. Die ganze Tour kostete mit Flug,
Unterkünften, Verpflegung, Fähre, Bus,Taxi und Bahn DM 1000,
(2 Wochen pro Person )
Unser Flug kostete DM 315,( incl. Bahnticket, welches uns nach
Köln / Bonn brachte). Ich hörte allerdings später,
daß man Flüge schon ab DM 99,- nach Malaga bekommen kann.
Bei den Grenzgängen sind Nerven gefragt, genauso wie bei dem
Aushandeln der Preise für Taxis, Unterkunft und Lebensmittel
auf den Suks (den Märkten).
Afrika-Trip-Bericht:
Lars Rogge, 26 ist Fotograf, Inhaber einer Werbeagentur und eines
Fotostudios
und Herausgeber des Abenteuermagazins Afrika-trip.de,
lebt bei Hannover.
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